Nicole Marschollek-Menzner

        

Wer ist eigentlich Nicole Marschollek-Menzner.

Rauher Fels und sanfte Hügel, Fichtenwald und weite Täler, Thüringen – Landschaft wie im Bilderbuch. Fachwerkig, beschiefert erinnern vielfarbige Ortschaften immer noch an ferne, längst vergangene Zeiten. Die Ortsnamen – Lauscha, Rauenstein, Sonneberg – sind mit Kulturgeschichte verbunden, mit bodenständigen und vielleicht gerade deshalb so liebenswerte Formen von Handwerk, Kunsthandwerk und Industrie.


„Von hier ist so viel ausgegangen“, antwortet die Designerin Nicole Marschollek-Menzner auf die Frage, ob der kulturell-historische Hintergrund ihrer Heimat etwas mit ihrer Arbeit zu tun habe. „Nun scheint das alles nahezu verstummt. Das bewegt mich schon, und warum sollte hier nicht wieder etwas neu beginnen?“ Ihre Begegnung mit dem Spielzeug verdankt sie also nicht dem berühmten Zufall. Sie ist eines jener ursprünglichen Talente, die in dieser Landschaft zu Hause sind. Von Anfang an ging sie zielbewusst und konsequent ihren Weg. Nach dem Studium in Sonneberg vervollkommnete Nicole Marschollek ihr Können bei einem namhaften Puppenhersteller in Oberfranken. Vor kurzer Zeit erst erfüllte sich der Traum von eigenen Kreationen. Die junge Firma „zwergnase“, seit Januar 1996 in Schalkau bei Sonneberg ansässig, produziert mit den Produktlinien ARTline und BärenARTdie NM-Kollektionen: Künstlerpuppen und –bären.

Der Erfolg jüngster Präsentationen im In- und Ausland macht neugierig. Worin besteht die besondere Anziehungskraft der Schöpfungen Nicole Marscholleks, die es offenbar versteht, angesichts eines ebenso dichten wie vielfältigen Bildes der internationalen Puppenszene, die Aufmerksamkeit des Fachpublikums für ihre Arbeiten einzunehmen?

Dass Ihre Puppen anatomischen Gesichtspunkten zu genügen haben, ist für sie unausgesprochene Selbstverständlichkeit. Ihr handwerkliches Herangehen ist so professionell wie ihr Verständnis von technologischer Umsetzung. Ein absoluter Qualitätsanspruch an jegliche Art des Materials erscheint ihr als unbedingte Voraussetzung für ein Bestehen vor dem Käufer. Ausgesucht sind die Details: Glasaugen aus Lauscha, Lederschuhe einer Firma aus dem Erzgebirge, hochwertige Textilien für die Bekleidung. Allein, den Zauber ihrer Puppenkreationen erklärt all dies noch nicht. Die besondere Qualität lebendiger Ausstrahlung hat ihren Ursprung in der Auffassung der Künstlerin. Ihr fiel es nicht schwer, frühzeitig zu erkennen, dass erfolgheischende und daher oberflächliche Sucht nach Innovation in immer ähnlichen Varianten des stetig hübschen Fotolächelns endet, selbst, wenn man dies exotisch einzukleiden weiß. Sie strebt nach anderem. Sie sucht, das Kind in der Puppe festzuhalten, der außergewöhnlichen Stimmung einer Situation Ausdruck zu verleihen. So ergeben sich feinsinnige Werte des Mimischen, so entstehen sensible, kaum wahrnehmbare Graduierungen in Haltung und Gestus. So nimmt das hintersinnig vergnügte Blinzeln des Puppenjungen Carl-Philipp den Betrachter gefangen, und das Paar Jacob und Liese weiß mit vorsichtig kontaktierendem Lächeln, Freunde zu gewinnen. Die Andeutung leiser Melancholie in Chiaras Blick vermag, Erinnerungen an Kindheit wiederzuerwecken. Der individuellen Eigenart dieser Geschöpfe folgt ihr Äußeres. Kleidung, Frisur, Accessoires gelten als Momente einer figurbezogenen Gesamtaussage. Um solche Synthese zu erreichen, bedarf es eines sicheren künstlerischen Stilgefühls. Den Reichtum an textilen Ausdruckswerten bezieht Nicole Marschollek aus Vergangenem, aus „märchenhaften“ Zeiten. Nie vordergründig historisierend, nie barock-üppig, immer absolut stimmig ordnet sie Farben, Strukturen und Dessins, fügt sie Schnittführungen und Details. Mit bewundernswertem Gespür versteht sie es, Anmutungen und Anspielungen an allerjüngste Mode-Gegenwart aufzunehmen.

Nach arbeitsaufwendigen, disziplinierten Arbeitsfolgen, die das Entstehen einer Puppe von ihr fordern, ist Nicole Marschollek „reif für den Bären“. Tapsig, flapsig, tollpatschig kommt BärenART daher, liebenswert-knuddelige Gesellen, hin und wieder ausufernde Charaktere mit stets unwiderstehlichem Blick. Sie entsprechen dem anderen Temperament ihrer Schöpferin und geben ihr Gelegenheit, ihrem Hang zum Humorig-Grotesken Gestalt zu verleihen, wohl auch die Kraft für die nächste ihrer Ideen. Denn jede neue Schöpfung birgt in sich schon die nächste. Da gibt es den Reiz des Materials Porzellan, dem sie sich nach den Erfahrungen mit Vinyl ganz sicher stellen will, um dessen Ausdruckswerte zu entdecken und es ganz neu erlebbar zu machen – in strengstens limitierter Auflage. Da gibt es Pläne für noch ganz andere, neue Sachen, auf die der Liebhaber außergewöhnlich schöner Puppen nicht ohne Grund mit Spannung warten darf.
   

 

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